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Jahresbericht 2010

1. Fördertätigkeit und Projektgestaltung 

Im Jahr 2010 stellte die Stiftung Fördermittel in Höhe von  273.855 EUR für 119 Begegnungsprojekte mit Belarus, Estland, Georgien, Kirgisistan, Lettland, Litauen, der Republik Moldau, der Russischen Föderation, Tadschikistan und der Ukraine bereit. Beantragt waren 157 Vorhaben mit einer Gesamtsumme von 409.240 EUR.  

Erstbegegnungen, themen- und projektorientierte Begegnungen und Bürgerengagement und Netzwerkbildung 

Für die Bewilligung von Fördermitteln für 95 Begegnungsprojekte aus den Programmlinien I (Erstbegegnungen), II (Themen– und projektorientierte Begegnungen) und  III (Bürgerengagement und Netzwerkbildung) waren insbesondere die Initiierung, der Anschub oder die Fortsetzung einer partnerschaftliche Beziehung zwischen Institutionen zweier Länder entscheidende Voraussetzungen. Wichtige Kriterien für die Bewilligung waren Gegenseitigkeit der Beziehung, ergebnisorientiertes gemeinsames Arbeiten der Teilnehmer sowie die Langfristigkeit der Zusammenarbeit. 

Dabei ging es inhaltlich um folgende Schwerpunkte, für die im Folgenden einige geförderte Vorhaben genannt  werden:

Völkerverständigung und Frieden 

Stellvertretend seien hier zwei genannt: Der Kunstverein Rosenheim e. V. organisierte zum ersten Mal Austausch und Verständigung zwischen deutschen und kirgisischen Kunstschaffenden in Bischkek (Kirgisistan) und Rosenheim. Im Vorhaben des StattChores Duisburg „Der Mensch kann manche Sachen“, das als  „TWINS 2010 Projekt“ im Rahmen des Programms „Europäische Kulturhauptstadt Ruhr 2010“ stattfand, erarbeiteten Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund aus Deutschland und Jugendliche aus Litauen eine Musikrevue und führten sie in Duisburg auf. Sie leisteten damit einen Beitrag sowohl zur Integrationsthematik in Deutschland als auch für die Städtepartnerschaft Duisburg – Vilnius. 

Der Friedensgedanke stand im Mittelpunkt von Entscheidungen der Stiftung, Projekte zum 65. Gedenktag an die Befreiung Europas vom Hitlerfaschismus und an das Ende des 2. Weltkrieges zu fördern:

  • Unterstützt wurden die Vorhaben der Dresdener Gesellschaft zur Hilfe für Kriegsveteranen e. V. in Russland  „Wahrheit für die Nachgeborenen, ehe alle Zeitzeugen gehen“ und „Versöhnung mit den Opfern von Gewalt, Krieg und Diktatur im 65. Jahr der Befreiung“. Ausländische Partner der Dresdener Gesellschaft waren: die Assoziation Vermisster Gefallener Soldaten (Jekaterinburg), Memorial (Moskau) und die Assoziation Ehemaliger Minderjähriger Häftlinge faschistischer KZ, Elektrostal (Moskauer Gebiet).
     
  • Eine filmische Spurensuche in St. Petersburg „Deutsche und russische Spuren – 65 Jahre danach“ durch Regie- und Kamerastudenten der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam in Zusammenarbeit mit Partnern in Russland wurde im Rahmen eines Sonderprojektsvon der Stiftung angeregt, unterstützt und begleitet.
  • Zentraler Beitrag zur deutsch-russischen Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 65 Jahren war für die Stiftung das Sondervorhaben „Deutsche und russische Veteranen treffen sich noch einmal in ihrem Leben“, das der Krieger-, Soldaten- und Kameradschaftsverein Denkendorf e. V. im Juli 2010 durchführte.
     

Dialog und Partnerschaft von Schulen, Städten und Institutionen 

Mit 35 Bewilligungen wurden Mittel  für vielfältige schulpartnerschaftliche Beziehungen bereit gestellt. So erhielten das Gymnasium Obervieland (Bremen), der Da-Vinci-Schulcampus Nauen und die Bismarckschule Elmshorn eine Förderung für den Schüleraustausch mit dem Gymnasium Nr. 69 in Bischkek/Kirgisistan, der Mittelschule Nr. 89 in Dushanbe (Tadschikistan) bzw. dem Roland-Komachidse-Lyzeum in Batumi (Autonome Republik Adscharien/Georgien).
Der Anbahnung, Festigung und Ausgestaltung städtepartnerschaftlicher Beziehungen dienten 13 Förderentscheidungen. Dies betraf z.B. die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen den Städten Wuppertal und Engels, Köln und Wolgograd, Neunkirchen und Tscherkessk (alle Russische Föderation), Nürnberg und Charkiv (Ukraine), Sayda und Strenci (Lettland), Duisburg und Vilnius (Litauen), Frankfurt/Oder und Witebsk (Belarus). Die 20jährige Städtepartnerschaft von Friedrichshafen am Bodensee und Polozk (Belarus) würdigte die Stiftung mit einer Sonderförderung für die Herausgabe des Buches „Polozk – Gibt es da auch einen Urwald?“. In dieser Publikation geht es anhand eindrucksvoller persönlicher Zeugnisse um die Beziehung beider Städte, die gemeinsame Vergangenheit und Gegenwart der Deutschen und der Belarussen und vor allem um die konkreten Verbindungen zwischen den Menschen.
Die Förderung einer trilateralen Begegnung von Jugendlichen aus den drei Partnerstädten Dietzenbach, Kostjukowitschi (Belarus) und Masaya (Nicaragua) verdient besondere Erwähnung. Hier ging es um die so wichtige
 internationale  Sensibilisierung der jungen Generation für ein globales Verständnis der Fragestellungen in Ost und West, Süd und Nord.

Sonderprojekte, Anbahnung und Durchführung von Kooperationsvorhaben

Die Stiftung förderte im Rahmen der Programmlinie IV „Sonderprojekte und Kooperationsvorhaben“  den  Austausch zum grenzüberschreitenden Thema „Leben mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung“. Sie bewilligte der urban social gGmbH Berlin Fördermittel für die Konferenz „Fördersysteme für die geistige Entwicklung von Menschen mit mentalen Einschränkungen“ mit Teilnehmern aus der Ukraine, Russland, Belarus, Kasachstan und Deutschland.
Der Zusammenarbeit von Russischlehrern aus Deutschland
  und Lehrenden für Russisch als Fremdsprache aus Russland diente die  Woche der Russischen Sprache „Deutsch-Russischer Dialog“ des Sprachenzentrums des Russischen Hauses in Berlin.
Die Stiftung leistete auch einen finanziellen Beitrag zur
  Regionalkonferenz der Bayerischen Ost-gesellschaft e. V., die unter dem Thema „Partner im Osten: Zivilgesellschaftliche Entwicklung und juristische Stolpersteine in Ländern der ehemaligen Sowjetunion“  im November 2010 in München stattfand.

Im Rahmen von Kooperationsvorhaben mit Partnern war die Stiftung 2010 auch operativ tätig.
So unterstützte sie mit der NRO-Regionalkonferenz Schleswig Holstein/Bremen an der Universität Vechta „Zu neuen Ufern – Oldenburger Land begegnet Russland“ als Kooperationspartner die Vernetzung deutscher Nichtregierungsorganisationen (NRO) der West-Ost-Zusammenarbeit
 und  die inhaltliche Programmgestaltung. Im Ergebnis der  Konferenz wurde ein regionales Netzwerk gegründet, bestehend aus Bürgermeistern, Unternehmern  sowie Vertretern von NRO und der Industrie- und Handelskammer. Es ist ein interessantes Modell, das den traditionellen Städtepartnerschaftsbegriff erweitert. 

Weitere wichtige Kooperationspartner waren:

  • das Deutsch-Russische Forum und der Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften bei der Vorbereitung der XI. Deutsch-Russischen Städtepartnerschaftskonferenz 2011 in Rothenburg ob der Tauber;
  • das Deutsch-Ukrainische Forum, Magdeburg, die Stadt Leipzig  und das Ukrainisch-Deutschen Forum,  Kiew  bei der Vorbereitung der 2. Deutsch-Ukrainischen Städtepartnerschaftskonferenz (Leipzig 2011), zu der die Stiftung zu einem internationalen Vorbereitungstreffen nach Berlin einlud;
  • das Deutsch-Litauische Forum als eine weitere Plattform der bilateralen Länderzusammenarbeit.  Zur geförderten deutsch-litauischen Konferenz „Möglichkeiten, Ideen und Perspektiven für Zusammenarbeit zwischen Litauen und Deutschland“ im Mai in Klaipeda trug die Stiftung mit der Durchführung der Arbeitsgruppe „Bildung, Schüler- und Jugendaustausch zwischen Deutschland und Litauen“ direkt zur Gestaltung der Konferenz bei.  Im Rahmen dieses  bisher eher wirtschaftlich und regional ausgerichteten Forums thematisierten die von der Stiftung eingeladenen deutschen Schulen und Gemeinden und ihre litauischen Partner erstmals den Schüler- und Jugendaustausch. Die Konferenz führte letztlich zur  Unterzeichnung einer neuen Städtepartnerschaft zwischen Bergen und Palanga.
  • der Bundesverband Deutscher West-Ost-Gesellschaften und die Stadt Eisenach, die gemeinsam mit der Stiftung West-Östliche Begegnungen  in Zusammenarbeit mit der Belarussischen Botschaft zu einem deutsch-belarussischen Städte- und Projektpartnertreffen ein Jahr nach der Deutsch-Belarussischen Städtepartnerschaftskonferenz in Mogiljow im September 2010 nach Berlin einluden. Es ging um eine Zwischenbilanz, die Umsetzung der Konferenzergebnisse und die Vorbereitung des nächsten Treffens der Partnerstädte in Deutschland.
2. Stiftungsvermögen, Vermögensverwaltung und Erträge

Der Vorstand befasste sich 2010 insbesondere mit der Vermögensumschichtung, der Wiederanlage von liquidem Stiftungskapital und der Neuausrichtung der Finanzanlagestruktur. Bisher waren die mehrheitlich konservativen Geldanlagen in Einzelpostenbetreuung von der Stiftung selbst verwaltet worden. 2010 wurde begonnen, eine langfristige Anlagestruktur in drei Fondskonzepte aufzubauen:  das Stiftungskapital wird im Wesentlichen auf drei Geldinstitute und ihre Vermögensverwaltungen konzentriert, um das erforderliche zeitnahe Handeln zu sichern und den Verwaltungs- und den Bearbeitungsaufwand für die Stiftung zu senken. Diese Neuausrichtung der Anlagestruktur  ermöglicht laufendes und zeitnahes Management, das die heutige komplexe Marktsituation erfordert.

In der Jahresrechnung 2010, bestehend aus der Einnahmen-/Ausgaben-Rechnung und der Vermögensrechnung, wird das Kapital der Stiftung per 31. Dezember mit rund 16.208.000 EUR ausgewiesen. Es ist im Wesentlichen angelegt in langfristig verzinsten Wertpapieren und Fonds (12.781.000 EUR) und in liquiden Mitteln (3.426.000 EUR). Noch nicht zur Neuanlage gebrachte Mittel und vereinnahmte Zinserträge waren 2010 vorübergehend als Festgelder gehalten.
Im Wertpapier- und Fondsbestand sind per 31.12.2010 insgesamt stille Lasten von 152.000 EUR enthalten. Diese resultieren aus den gegenüber den Anschaffungskosten der Wertpapiere reduzierten stichtagsbezogenen Kurswerten der Finanzanlagen.

Die inflationsbedingte Entwertung des Stiftungskapitals konnte auch im Berichtsjahr nicht in vollem Umfang verhindert werden. Durch die jährliche Steigerung des Preisindex für die Lebenshaltung wären Rücklagen zur realen Erhaltung des Kapitals von 3.732.000 EUR notwendig gewesen. Unter Einbeziehung der Kapitalerhaltungsrücklage, der negativen Ergebnisse aus Vermögensumschichtungen, der thesaurierenden Zinsen, der stillen Lasten und bei rechnerischer Berücksichtigung des Mittelvortrags verbleibt eine rechnerische Deckungslücke von 1.858.000 EUR.

Die Jahresrechnung wurde mit einem Einnahmeüberschuss aus laufender Rechnung von 149.000 EUR abgeschlossen. Dieser wurde als Beitrag für den Ausgleich der rechnerischen Deckungslücke in voller Höhe in die Rücklage zur Werterhaltung des Stiftungskapitals eingestellt. Die Zinseinnahmen der Stiftung aus Vermögensverwaltung sind im Jahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr um  164.000 EUR auf  495.300 EUR gesunken. Ursache dafür sind zu einem geringeren Teil die langfristigen Auswirkungen der Finanzmärkte aus dem Jahr 2009. Der Hauptgrund aber dafür ist die Umstellung eines wesentlichen Teils der Finanzanlagen auf ein neues Fondskonzept, in dessen Rahmen 50 % der Einnahmen nicht zur Auszahlung kommen, sondern dem Stiftungskapital (2010 in Höhe von rund 107.000 EUR) zuwachsen. Diese Anlageentscheidung in thesaurierende Geldanlageformen und die angemessene Aufstockung der freien Rücklage trugen dem Werterhaltungsprinzip des Stiftungsvermögens Rechnung.

3. Satzungsmäßige Leistungen in Erfüllung des Stiftungszwecks 

Im Berichtszeitraum betrugen die abgerufenen und ausgezahlten Fördermittel rund 199.316 EUR. Diese Summe umfasst

- die Förderung von 95 Vorhaben aus dem Jahr 2010
- Zahlungen für weitere 14 Maßnahmen aus den Jahren 2008 und 2009 nach Abrechnung
- die Saldierung von Mittelrückzahlungen aufgrund von Projektveränderungen   als Ergebnis von 5 Abrechnungen.

Insgesamt hat die Stiftung seit ihrer Errichtung im Jahr 1994 rund 4.100 Einzelmaßnahmen mit einem Gesamtfördervolumen von rund 9,1 Mio. EUR unterstützt.

Mit den Ausgaben für Projektanbahnung und Öffentlichkeitsarbeit
  betragen die gezahlten satzungsmäßigen Leistungen in Erfüllung des Stiftungszwecks insgesamt rund 203.500 EUR. Damit sind 58,8 % der laufenden Gesamtausgaben von 346.000 EUR der direkten Projektarbeit zuzuordnen. Dazu kommt ein projektbezogener Anteil der Personalkosten, der in der Jahresrechnung jedoch nicht extra als satzungsmäßige Leistung ausgewiesen ist.

▶ Die bewilligten Projekte in Zahlen 

4.   Externe Prüfung 

Die Stiftung lässt ihre Jahresrechnung jährlich durch einen externen Wirtschaftsprüfer prüfen. Diese umfasst gemäß § 8 Abs. 2 des Berliner Stiftungsgesetzes (i. d. F. vom 22. Juli 2003) auch die Erhaltung des Stiftungsvermögens und die satzungsgemäße Verwendung des Stiftungskapitals.

Die Prüfung 2010 der satzungsgemäßen Verwendung der Stiftungsmittel und der Einhaltung der satzungsgemäßen Erfordernisse, steuerbegünstigt tätig zu werden, wurde von der ACCO GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft vorgenommen und hat keine Einwendungen ergeben.   

▶ Bestätigungsvermerk der Wirtschaftsprüfer