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Trauer um Prof. Dr. Horst Fliege

Die Stiftung West-Östliche Begegnungen trauert um ihren früheren langjährigen Stellvertretenden Vorsitzenden des Kuratoriums, der am 27. September in Jena verstarb.

Anstelle einer Traueranzeige hier einige Zeilen der Erinnerung:

Auf Fragen, wie er denn zu Stiftung gekommen sei, berichtete Prof. Fliege immer von seinen ersten Kontakten zu Polen auf den Trümmern des 2. Weltkriegs als 1930 geborener, damals junger Mann, der den Krieg erlebt hat. Sehr entscheidend für sein künftiges Engagement für die Freundschaft mit der Sowjetunion war der als rassistischer Vernichtungskrieg konzipierte Angriffskrieg Nazideutschlands auf die UdSSR, der zur größten geschichtliche Katastrophe im 20. Jahrhundert mit 26 Mill. Toten allein in der Sowjetunion wurde. Auch der Schwur von Buchenwald »Nie wieder Krieg – Nie wieder Faschismus!« begründete den Wunsch von Prof. Fliege, Slawistik zu studieren und prägte sein Engagement in der Thüringischen Freundschaftsgesellschaft und später in der Stiftung.

In Jena promovierte und habilitierte er. An der Pädagogischen Hochschule in Erfurt arbeitete er später als Dozent und hatte eine Professur. Er war oft für längere Zeit als Gastprofessor in der Sowjetunion und unterhielt viele private Kontakte. An der Hochschule wurde er zum Vorsitzenden der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF) gewählt.
Sein Fachgebiet war die Literatur der Neuzeit ab 1917, neue russische Literatur der Gegenwart und auch die Literatur der Sowjetvölker. Jedes Jahr organisierte er eine Literaturkonferenz. Besonders wichtig war ihm bereits in der DDR die Städtepartnerschaft Erfurt – Vilnius.

In den 1990iger Jahren der deutsch-deutschen Wende und nach dem Zerfall der DSF wurde er Mitbegründer und Vorsitzender der im vereinten Deutschland gegründeten Thüringischen Freundschaftsgesellschaft und damit einer der 6 Landesgesellschaften, die heute in der Stiftung West-Östliche Begegnungen per Satzung verankert sind. In der 1994 errichteten neuen Stiftung wurde Prof. Fliege als „Aktivist der ersten Stunde“ Stellvertretender Vorsitzender ihres Kuratoriums.

1996 ging er in den gesetzlichen Ruhestand. Wirkliche Ruhe war aber nicht vorgesehen, denn er setzte sein ehrenamtliches Engagement im Kuratorium bis 2010 fort. Auch nach seinem Ausscheiden lag ihm die Stiftung sehr am Herzen, die er aufmerksam weiter begleitete.

Schön, dass Prof. Fliege nach 1990 auf vielen großen Fernreisen mit Flugzeug und Schiff bis ins hohe Alter hinein die Welt auch im Westen, Norden und Süden ein gutes Stück kennen lernen und erleben konnte. Ehrenvorsitzender der Deutsch-Thüringischen Freundschaftsgesellschaft - jetzt Deutsch-Russische Gesellschaft in Thüringen - blieb er bis zuletzt.

Seine Botschaft aus eigenem Erleben „Nie wieder Krieg“ ist in der Stiftung präsent und prägt ihre Arbeit.

Monika Tharann, 28.9.2017

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